{"id":36,"date":"2022-03-01T22:03:31","date_gmt":"2022-03-01T22:03:31","guid":{"rendered":"http:\/\/doppelpass.vtheater.net\/?page_id=36"},"modified":"2022-06-16T10:07:38","modified_gmt":"2022-06-16T10:07:38","slug":"prometheus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/prometheus\/","title":{"rendered":"Prometheus Unbound"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">am Landestheater Linz<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u2588<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eEs ist nicht genug verlangt, wenn man vom Theater nur Erkenntnisse, aufschlussreiche Abbilder der Wirklichkeit verlangt. Unser Theater muss die Lust am Erkennen erregen, den Spa\u00df an der Ver\u00e4nderung der Wirklichkeit organisieren. Unsere Zuschauer m\u00fcssen nicht nur h\u00f6ren, wie man den gefesselten Prometheus befreit, sondern auch sich in der Lust schulen, ihn zu befreien. Alle die L\u00fcste und Sp\u00e4\u00dfe der Erfinder und Entdecker, die Triumphgef\u00fchle der Befreier m\u00fcssen von unserem Theater gelehrt werden.\u201c<\/em><\/p><cite>Bertolt Brecht: <em>Politik auf dem Theater<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"769\" src=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_20191128_115152-1024x769.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-124\" srcset=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_20191128_115152-1024x769.jpg 1024w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_20191128_115152-300x225.jpg 300w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_20191128_115152-768x577.jpg 768w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_20191128_115152-1536x1153.jpg 1536w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_20191128_115152-2048x1538.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Angela Waidmann und Alexander Meile auf der B\u00fchne<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Inszenierung:<\/strong> Marcel Karnapke, Bj\u00f6rn Lengers (CyberR\u00e4uber)<br><strong>B\u00fchne und Kost\u00fcme:<\/strong> Angelika Daphne Katzinger<br><strong>Dramaturgie:<\/strong> Wiebke Melle<br><strong>Produktionsleitung:<\/strong> Eva-Karen Tittmann<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mit: <\/strong>Angela Waidmann, Alexander Julian Meile, Nina Metzger<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Regieassistenz \/ Abendspielleitung:<\/strong> Nina Metzger<br><strong>Musikalische Einstudierung:<\/strong> Neboj\u0161a Krulanovi\u0107<br><strong>Musikalische Assistenz:<\/strong> Alexander Maulwurf<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Inspizienz:<\/strong> Gabriela Korntner<br><strong>Soufflage:<\/strong> Anna Vladimirov<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auftakt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als zweiter Teil des Projekts \u201eSocial Virtuality \u2013 Theater in der digitalen Realit\u00e4t\u201c war die Schauspielproduktion <em>Prometheus (AT)<\/em> in Kooperation mit dem Landestheater Linz geplant. Das Landestheater Linz ist das gr\u00f6\u00dfte Theater Ober\u00f6sterreichs und bringt als Mehrspartenhaus pro Saison etwa 35 neue Inszenierungen und bis zu 900 Vorstellungen heraus. Seit der Intendanz von Hermann Schneider und der Schauspieldirektion von Stephan Suschke (Spielzeit 2016\/2017) finden im Schauspiel pro Saison durchschnittlich zwei Urauff\u00fchrungen oder St\u00fcckentwicklungen statt. Das Themenfeld Digitalit\u00e4t und Kunst hatte jedoch bis zum Zeitpunkt der Kooperation mit den CyberR\u00e4ubern noch keinen nennenswerten Raum auf den B\u00fchnen des Landestheaters gefunden, obwohl die ober\u00f6sterreichische Landeshauptstadt mit dem Ars Electronica Center zweifelsohne \u00fcber eine exzellente und international renommierte Institution in diesem Bereich verf\u00fcgt. Umso gr\u00f6\u00dfer war deswegen das Interesse der Theaterleitung, ein f\u00fcr das 21. Jahrhundert so virulentes Thema mit den zwei ausgewiesenen Experten Marcel Karnapke und Bj\u00f6rn Lengers spielerisch zu erforschen. Gem\u00e4\u00df dem Motto der Spielzeit 2019\/2020 \u201eBekenntnisse\u201c war das Kooperationsprojekt von den Entscheidungstr\u00e4ger:innen des Landestheaters auch als Ausdruck des Erkundungswillens und der Aufgeschlossenheit gegen\u00fcber neuen Theaterformen und -inhalten im digitalen Zeitalter gedacht. Neben dem Ziel, das bestehende Landestheater-Publikum mit neuen Inhalten und Vermittlungsformen vertraut zu machen \u2013 im Grunde also dem Bildungsauftrag nachzukommen \u2013, war mit diesem Projekt auch die Hoffnung darauf verbunden, neue Besucher:innengruppen zu erreichen. Dem experimentellen Geiste des gesamten Vorhabens entsprechend wurde die Studiob\u00fchne als Spielst\u00e4tte ins Auge gefasst. Sie wurde mit dem Intendanzwechsel 2016 aus der Taufe gehoben und ist am Landestheater seither der Ort f\u00fcr neue Dramatik und experimentellere Arbeiten. Verglichen mit den gr\u00f6\u00dferen Spielst\u00e4tten, dem Schauspielhaus und den Kammerspielen, bietet die Studiob\u00fchne trotz ihrer eigentlich begrenzten technischen Wandlungsf\u00e4higkeit im Hinblick auf Bestuhlung, Publikumskapazit\u00e4t und Raumnutzungsm\u00f6glichkeiten eine gewisse Flexibilit\u00e4t \u2013 und war insofern ideal f\u00fcr die Realisierung des Kooperationsprojekts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die ersten Ideen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Planung einer Spielzeit am Landestheater Linz zeitlich immer schon sehr weit im Voraus fixiert wird \u2013 mindestens ein Jahr vor dem jeweiligen Termin \u2013, war es Mitte des Jahres 2018 zun\u00e4chst einmal n\u00f6tig, einen griffigen (Arbeits-)Titel zu finden, der angesichts des fr\u00fchen Zeitpunkts noch gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Offenheit zulie\u00df, andererseits idealerweise auf ein mehr oder minder bekanntes Topos rekurrierte, um ein m\u00f6glichst breites Publikum anzuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generell hatten Marcel Karnapke und Bj\u00f6rn Lengers die Absicht, sich mit der Hervorbringung und Beherrschung k\u00fcnstlicher Intelligenzen als einem der gro\u00dfen technischen Fortschritte des 21. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. K\u00fcnstliche Intelligenz gilt gemeinhin als richtungsweisende Technologie der Zukunft und Antriebskraft der digitalen Revolution. Sie ist gegenw\u00e4rtig ein Forschungsbereich der Informatik, der sich mit maschinellen Systemen besch\u00e4ftigt, die das vollbringen sollen, wof\u00fcr auch ein Mensch Intelligenz ben\u00f6tigen w\u00fcrde: beispielsweise bei der Verwendung von Sprache, der Begriffsbildung und der Probleml\u00f6sung. Eingesetzt werden daf\u00fcr sogenannte k\u00fcnstliche neuronale Netze, deren Aufbau sich an nat\u00fcrlichen neuronalen Netzen im Nervensystem eines Lebewesens orientiert. Auf lange Sicht arbeitet man dabei an der Entwicklung selbstlernender Maschinen, die der menschlichen Intelligenz irgendwann ebenb\u00fcrtig sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marcel Karnapke und Bj\u00f6rn Lengers, denen es als \u201edigitale Erz\u00e4hler\u201c bereits in ihren vorherigen Arbeiten f\u00fcr die B\u00fchne darum gegangen war, die neuen technischen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr dramatische Erz\u00e4hlformen neu und multiperspektivisch zu denken, beabsichtigten nun im Rahmen der Linzer Produktion, spezielle neuronale Netze in die althergebrachte Institution des Theaters einzuf\u00fchren \u2013 und zwar nicht als Sujet, sondern als formgebendes Verfahren. Sehr viel mehr stand zu diesem fr\u00fchen Zeitpunkt im Herbst 2018 allerdings noch nicht fest. Was sich jedoch sehr wohl bald heraussch\u00e4lte, war die Idee, vom antiken Mythos des gefesselten Prometheus auszugehen. Jene Gestalt der griechischen Mythologie, die den G\u00f6ttern das Feuer stahl, um es den Menschen zu bringen und sie zum Fortschritt zu bef\u00e4higen, bot die ideale konzeptuelle Verankerung f\u00fcr das inhaltliche Vorhaben: \u201ePrometheus als Archetyp des Paten einer disruptiven Technologie, die in der Konsequenz die bestehende Ordnung ersch\u00fcttert oder zerst\u00f6rt.\u201c<a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Mit diesem Gedanken ging f\u00fcr die CyberR\u00e4uber die Frage einher, ob die Menschheit nicht gerade im Begriff ist, etwas zu entfesseln, vor dem sie sich eigentlich f\u00fcrchten sollte. Der Chefdramaturg der Linzer Schauspielsparte Andreas Erdmann schlug daraufhin f\u00fcr die Produktion den Titel <em>Prometheus Unbound<\/em> vor \u2013 in Anlehnung an bzw. Weiterf\u00fchrung von Aischylos\u2019 Trag\u00f6die <em>Der gefesselte Prometheus<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Hinblick auf die Form war zun\u00e4chst eine ca. 20-min\u00fctige, hybride VR-Theater-Installation angedacht, die in mehreren Loops f\u00fcr mindestens 12 Besucher:innen pro Stunde auf einer Studiob\u00fchne zug\u00e4nglich gemacht werden sollte. Ausgehend von ihren bisherigen Erfahrungen, klassische Theaterstoffe in virtuelle Welten zu \u00fcbertragen, wollten die CyberR\u00e4uber nun einen Schritt weiter gehen: zu einem \u201eTheater der Mixed Reality\u201c<a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eHybrid hei\u00dft, dass wir den realen Raum (die B\u00fchne) und dort stattfindende B\u00fchnenhandlungen mit der virtuellen B\u00fchne innerhalb der VR verbinden wollen, sie aufeinander reagieren lassen wollen. Also sowohl die Einrichtung von drei VR-Stationen, als auch realtime projection mapping auf B\u00fchnenelemente, r\u00e4umliche Soundinstallationen, weitere Projektionen.\u201c<a id=\"sdfootnote3anc\" href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Einbeziehung der DeepSpace 8K-Technologie des Ars Electronica Centers war zu diesem Zeitpunkt noch Teil der \u00dcberlegungen. Neben dem Element der Virtuellen Realit\u00e4t als integralem Bestandteil des Projekts war hier au\u00dferdem das partizipative Moment besonders hervorgehoben: der Einfluss von Darsteller:innen und Publikum auf die Szenografie.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie Arbeit ist explizit live f\u00fcr ein Publikum und als \u201eMehrspieler-Erfahrung\u201c gedacht. Nach dem Verlassen und vor dem Betreten der Vorstellung f\u00f6rdern wir in der umliegenden Lounge den Austausch der Zuschauer untereinander.\u201c<a id=\"sdfootnote4anc\" href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entstehen sollten \u201efraktale Welten, die durch die Bewegung von Schauspielern und Besuchern gesteuert werden.\u201c<a href=\"#sdfootnote5sym\" id=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> Damit einhergehend wurde schon fr\u00fch der Schwerpunkt auf den Live-Aspekt gelegt. Das unmittelbare Entstehen des sinnlich Wahrnehmbaren in Echtzeit \u2013 sei es visuell, sei es akustisch \u2013 war f\u00fcr die CyberR\u00e4uber von Beginn an reizvoll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weitere Entwicklung der Konzeption<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der im Fr\u00fchjahr und Sommer 2019 folgenden Vorbereitungstreffen zwischen den CyberR\u00e4ubern und den Angeh\u00f6rigen des Landestheaters, dem Chefdramaturgen Andreas Erdmann und der st\u00fcckbetreuenden Schauspieldramaturgin Wiebke Melle, ging es zun\u00e4chst einmal darum, das Vorhaben weiter zu pr\u00e4zisieren. Eine besondere Rolle bei der weiteren konzeptuellen Gestaltung spielte die Besch\u00e4ftigung mit Yuval Hararis <em>Homo Deus \u2013 Eine Geschichte von Morgen<\/em> und dessen \u00dcberlegungen zur weiteren Entwicklung des Homo Sapiens im 21. Jahrhundert: Wird der Homo Sapiens Eigenschaften der Technologie \u00fcbernehmen und dadurch hybridisiert? Was oder wer wird dem Homo Sapiens nachfolgen? Welche neue Daseinsform wird wom\u00f6glich entstehen? Das Konzept von <em>Prometheus Unbound<\/em> wurde entsprechend noch einmal \u00fcberarbeitet:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie Geschichte von Prometheus ist die des Umsturzes: Er hilft Zeus gegen die alten G\u00f6tter den Olymp zu erringen und untergr\u00e4bt dann seine Herrschaft, indem er den Menschen die Technologie bringt. [\u2026] Ist er Sch\u00f6pfer und Unterst\u00fctzer oder der Zerst\u00f6rer der Ordnung? Im Verbund mit anderen technischen und gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen [\u2026] bietet k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) dem Menschen das Potenzial, sich zur G\u00f6ttlichkeit, zum Homo Deus aufzuschwingen, und dabei die bestehende Ordnung zu zerst\u00f6ren. Oder erschaffen wir durch die gleich neue Gesch\u00f6pfe, die sich von uns Menschen emanzipieren, ja schlie\u00dflich uns dominieren werden?\u201c<a id=\"sdfootnote6anc\" href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier klang nun bereits die Frage nach einer Zeitenwende an, die sowohl die CyberR\u00e4uber als auch alle \u00fcbrigen Produktionsmitglieder im Verlauf des Probenprozesses besch\u00e4ftigen w\u00fcrde: L\u00e4sst sich der menschliche Geist durch den Einsatz von Technologie optimieren? Ist die Technologie dem menschlichen Geist gar \u00fcberlegen? Ist der Mensch mit all seinen F\u00e4higkeiten und all seiner Kreativit\u00e4t ein Auslaufmodell?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1253-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-125\" srcset=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1253-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1253-300x200.jpg 300w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1253-768x512.jpg 768w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1253-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1253-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Angela Waidmann (Photo: Petra Moser)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer wesentlicher Schritt in der konzeptionellen Entwicklung war es au\u00dferdem zusammenzufassen, wozu k\u00fcnstliche Intelligenz bzw. neuronale Netzwerke im k\u00fcnstlerischen Bereich bereits eingesetzt werden, um dann in einem zweiten Schritt zu umrei\u00dfen, wie sie sich f\u00fcrs Theater nutzen lie\u00dfen. Als f\u00fcr eine Schauspielproduktion relevante Machine-Learning-Verfahren stellten sich in der Vorab-Recherche drei Experimentierfelder heraus: die Erstellung von Video-\/Bildmaterial, die Erzeugung von Musik sowie die Generierung von Text. Konkret geh\u00f6rten dazu zun\u00e4chst etwa sogenannte Generative Adversarial Networks (GAN), die dazu in der Lage sind, Bilder zu generieren \u2013 seien es nun solche, die an Gem\u00e4lde der klassischen Moderne erinnern, seien es fotorealistische Portraits von Menschen, die gar nicht existieren. Dazu geh\u00f6rten aber auch jene neuronalen Netze, die nach der Einspeisung von Musikst\u00fccken bestimmter Komponisten dazu in der Lage sind, eigenst\u00e4ndig bzw. im Stil von Beethoven oder Bach Musik zu komponieren. Dass dar\u00fcber hinaus bereits seit einigen Jahren mithilfe von k\u00fcnstlicher Intelligenz Text erzeugt wird \u2013 etwa in standardisierter Form wie bei B\u00f6rsenmeldungen oder Sportberichten \u00fcblich, aber auch in kreativer Form wie bei Gedichten<a href=\"#sdfootnote7sym\" id=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> oder der Fortsetzung bekannter Romanstoffe<a href=\"#sdfootnote8sym\" id=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> \u2013 war f\u00fcr ein Vorhaben im Sprechtheater nat\u00fcrlich gleichfalls von Interesse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auszeit von der Virtuellen Realit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Theaterseite wurde im Sommer 2019 das Bed\u00fcrfnis ge\u00e4u\u00dfert, das Medium selbst zum Akteur zu machen, also zu zeigen, was ein solches \u201ekreatives\u201c neuronales Netz tut, d.h. wie beispielsweise solche k\u00fcnstlich generierten Bilder entstehen. Schnell war allerdings auch klar, dass es den CyberR\u00e4ubern nicht um ein reines Forschungsprojekt ging, das ausschlie\u00dflich bestehendes Wissen zusammentr\u00fcge und zeigte, wie KI nun in der Kunstproduktion funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie gro\u00dfe Herausforderung war dann, daraus ein St\u00fcck zu machen, das funktioniert f\u00fcr Menschen, die nicht sozusagen einfach nur Lust haben zu gucken, was da gerade sozusagen bei rauskommt. Wie rahmen wir das Ganze? Wie wird daraus ein runder Theaterabend, der Fragen aufwirft, der vielleicht auch Fragen beantwortet, der irgendwie auch spannend, lustig, unterhaltsam, lehrreich [&#8230;] ist?\u201c<a id=\"sdfootnote9anc\" href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Phase des Projekts wandelte sich auch das bisherige Konzept: Anstelle der geloopten VR-Theater-Installation sollte nun im Rahmen einer abgeschlossenen, repertoiref\u00e4higen Auff\u00fchrung erkundet werden, ob KI tats\u00e4chlich Kunst kann bzw. \u201ewie weit Maschinen in diese menschlichste Dom\u00e4ne eindringen\u201c<a href=\"#sdfootnote10sym\" id=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> k\u00f6nnen. Avisiert wurde schlie\u00dflich ein interaktiver Theaterabend f\u00fcr zwei bis drei Schauspieler:innen und ca. 50 Besucher:innen, die sich auf die gemeinsame Suche nach \u201edem besten Theaterst\u00fcck der Welt\u201c<a href=\"#sdfootnote11sym\" id=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> machen und den Fragen nachgehen sollten, wie Kunst und Sch\u00f6nheit entstehen, was menschliche Kunst ausmacht und was k\u00fcnstliche Kunst sein k\u00f6nnte. In einer Art hybrider Theatermaschine sollten dazu der digitale und der reale Raum miteinander verwoben werden: Indem Machine Learning, Darsteller:innen und Publikum aufeinandertreffen und gemeinsam Texte, Szenografie und Ton erzeugen, sollte ein sich immer wieder ver\u00e4ndernder, nicht wiederholbarer f\u00fcnfaktiger Theaterabend entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Schritt weg vom reinen Transfer eines Stoffes in virtuelle R\u00e4ume war f\u00fcr die CyberR\u00e4uber nun auch gleichbedeutend mit dem Verlassen bereits vertrauten Terrains. Zwar wurde der Einsatz zweier Oculus Quest VR-Brillen nach wie vor in Erw\u00e4gung gezogen. Allerdings wurde nun verst\u00e4rkt \u00fcberlegt, wie die Immersion \u2013 also der bisher vor allem technisch evozierte Vorgang, \u201edie Besucher:innen in Szenen und Welten [zu versetzen], in denen sie ihre eigene Perspektive finden und Handlungsm\u00f6glichkeiten haben\u201c<a href=\"#sdfootnote12sym\" id=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> \u2013 anderweitig umzusetzen w\u00e4re. Die Zuschauer:innen zu Mitsch\u00f6pfer:innen der Auff\u00fchrung zu machen, sollte definitiv ein Ziel des Vorhabens sein. In welcher Form die Einflussnahme des Publikums allerdings m\u00f6glich w\u00e4re, war eine der Fragen, die schlie\u00dflich im Probenprozess beantwortet werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Meilenstein: GPT-2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vielleicht relevanteste Entwicklung f\u00fcr <em>Prometheus Unbound<\/em> war die Ver\u00f6ffentlichung des Textgenerators GPT-2 (Generative Pretrained Transformer 2) durch OpenAI LP. Das US-amerikanische Unternehmen besch\u00e4ftigt sich seit 2015 mit der Erforschung k\u00fcnstlicher Intelligenz und der existenziellen Bedrohung, die von ihr ausgehen k\u00f6nnte. Dass sich mittels KI auch herausfinden lie\u00dfe, wie Sprache funktioniert, war Ausgangspunkt f\u00fcr die Entwicklung des GPT-2. Dabei handelt es sich um ein statistisches Sprachmodell, das die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Satzes in einem spezifischen Kontext beschreibt. Dazu war es mit einer Datenmenge von 8 Millionen englischsprachigen Dokumenten (40 GB Text aller erdenklichen Genres aus dem Internet, wie etwa journalistische Artikel, Interviews, Belletristik etc.) trainiert worden, anhand derer der Transformer gelernt hatte, Texte unterschiedlichen Inhalts und Stils koh\u00e4rent fortzusetzen, seien es nun Dialoge, Kochrezepte, Urlaubserinnerungen oder \u00e4hnliches.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1266-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-126\" srcset=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1266-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1266-300x200.jpg 300w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1266-768x512.jpg 768w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1266-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1266-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Alexander Meile (Photo: Petra Moser)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits zu Beginn des Jahres 2019 hatten Verlautbarungen von OpenAI f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt: Die verantwortlichen Entwickler hielten ihre Software f\u00fcr zu gef\u00e4hrlich, um sie zu ver\u00f6ffentlichen, weil sie bereits derart gut Texte fortschreiben k\u00f6nne, dass der Desinformation T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet w\u00fcrden. Im November 2019 \u2013 und damit genau rechtzeitig zu Probenbeginn \u2013 ver\u00f6ffentlichte OpenAI den GPT-2 dann aber dennoch auf einer Website, damit der Textgenerator ausprobiert werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die CyberR\u00e4uber hatten diese Entwicklungen nat\u00fcrlich aufmerksam verfolgt und das Potential des k\u00fcnstlichen neuronalen Netzes auch f\u00fcr <em>Prometheus Unbound <\/em>erkannt: Neben der audiovisuellen Ebene war maschinell und wom\u00f6glich noch dazu live erzeugter Text der Baustein, der ihrem Vorhaben bislang noch gefehlt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zusammensetzung des Teams und Besetzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem externe Regisseur:innen und\/oder Kost\u00fcm- und B\u00fchnenbildner:innen bereits bei fr\u00fcheren Arbeiten das Team der CyberR\u00e4uber erg\u00e4nzt hatten, \u00e4u\u00dferten sie fr\u00fch den Wunsch, auch bei <em>Prometheus Unbound <\/em>mit einer Person zusammenzuarbeiten, die das B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbild verantworten und gleichzeitig eine Art Mittler:in in die Gewerke des Landestheaters hinein sein k\u00f6nnte. Angelika Daphne Katzinger, ehemalige B\u00fchnenbildassistentin am Landestheater Linz und mittlerweile freischaffend als B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbildnerin t\u00e4tig, konnte schlie\u00dflich f\u00fcr die Produktion gewonnen werden. Ihr oblag es, den Vorstellungen von Bj\u00f6rn Lengers und Marcel Karnapke mit einer eigenen Phantasie zu begegnen und gleichzeitig die technischen Anforderungen im Auge zu behalten. So w\u00fcnschten sich die CyberR\u00e4uber zum einen einen reduzierten Raum, der als eine Art dreidimensionale Projektionsfl\u00e4che funktionieren, zum anderen aber auch m\u00f6glichst durchl\u00e4ssig gegen\u00fcber dem Zuschauer:innenraum sein k\u00f6nnte. Der konzeptionelle Gedanke, das Publikum verst\u00e4rkt in die Auff\u00fchrung einzubinden, sollte sich also auch r\u00e4umlich niederschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um den technischen Anforderungen insbesondere im Bereich Tontechnik gerecht werden zu k\u00f6nnen, wurde au\u00dferdem ein:e weitere:r Assistent:in gesucht, der schlie\u00dflich in Alexander Maulwurf, einem freischaffenden Musiker aus Berlin gefunden wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die Besetzung betraf, waren bis in den Herbst 2019 hinein nur grobe Vorstellungen skizziert worden. Bei einem weiteren Vorbereitungstreffen in Linz Anfang September wurde das Feld der geeigneten Darsteller:innen dann weiter eingegrenzt. Bis dahin war es den CyberR\u00e4ubern um zwei bis drei \u201eEntwickler\u201c gegangen, die zum einen \u00fcber eine gewisse technische Affinit\u00e4t und Musikalit\u00e4t verf\u00fcgten, zum anderen Erfahrungen mit St\u00fcckentwicklungen h\u00e4tten sowie eine gro\u00dfe Leichtigkeit und Improvisationsf\u00e4higkeit ins Spiel br\u00e4chten. Nach der Beschreibung der zur Verf\u00fcgung stehenden Schauspieler:innen fiel die Wahl zun\u00e4chst auf Alexander Julian Meile und \u2013 nachdem der explizite Wunsch nach einer Schauspielerin ge\u00e4u\u00dfert worden war, um das Klischee von der m\u00e4nnerspezifischen Technikaffinit\u00e4t zu durchbrechen \u2013 auf Angela Waidmann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu guter Letzt war auch die Position der Regieassistenz ein wesentlicher Aspekt, weil neben den sonst \u00fcblichen Aufgaben die Frage der technischen Betreuung eine wichtige Rolle spielen sollte. Nach einem pers\u00f6nlichen Kennenlernen zwischen Bj\u00f6rn Lengers und der Regieassistentin Nina Metzger, bei dem offen thematisiert wurde, welche besonderen Herausforderungen nicht nur die Proben-, sondern auch die Vorstellungsbetreuung mit sich bringen w\u00fcrde, und Nina Metzger sich dieser Aufgabe gewachsen sah, war auch diese letzte Position besetzt. Wie sich noch herausstellen sollte: nicht die unwichtigste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 26. September 2019 fand auf der Studiob\u00fchne des Landestheaters schlie\u00dflich die Bauprobe nach den B\u00fchnenbildentw\u00fcrfen von Angelika Daphne Katzinger statt. Zum B\u00fchnenbildkonzept geh\u00f6rte zum einen eine Art dreidimensionaler Projektionsraum, d.h. eine bis in den Zuschauer:innenraum gezogene wei\u00dfe Leinwand als B\u00fchnenbegrenzung auf der linken Seite sowie eine weitere auf der hinteren Front f\u00fcr die auf der B\u00fchne angebrachten Beamer. Der zu Beginn f\u00fcr den Boden angedachte wei\u00dfe Belag wurde im Laufe der Bauprobe durch einen verspiegelten Belag ersetzt, weil dieser sich nach einigen Projektionsversuchen als jener mit den imposanteren (Licht-)Effekten herausstellte. Als weiteres B\u00fchnenbild-Element, das als Projektionsfl\u00e4che und Spielrequisit in Erw\u00e4gung gezogen wurde, waren wei\u00dfe Stoffbahnen angedacht, die sich im Laufe des Probenprozesses allerdings als \u00fcberfl\u00fcssig herausstellten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um f\u00fcr die besagte gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Durchl\u00e4ssigkeit zwischen B\u00fchne und Zuschauer:innenraum zu sorgen, war zun\u00e4chst geplant, die Trennlinie quasi zu \u00fcberbr\u00fccken und eine direkte Verbindungsebene zwischen B\u00fchnenpodesterie und Publikumstrib\u00fcne zu verlegen. Aufgrund sicherheitstechnischer Bedenken musste diese Idee jedoch verworfen werden. Stattdessen wurden um die B\u00fchne herum schlie\u00dflich Stufen verlegt, gedacht auch als eine Art Einladung ans Publikum, auf der B\u00fchne Platz zu nehmen. Au\u00dferdem sollte die gesamte Bestuhlung entfernt werden, um der bef\u00fcrchteten passiven Rezipient:innenhaltung des Publikums entgegenzuwirken und der individuellen Sitzplatzsuche mehr Raum zu geben. Auch die Anzahl der eigentlich m\u00f6glichen 97 Sitzpl\u00e4tze sollte auf 45 bis 50 reduziert werden. Um dem Sitzkomfort Rechnung zu tragen bzw. eventuellen Sitzproblemen des zuweilen doch etwas \u00e4lteren Landestheater-Publikums vorzubeugen, wurden allerdings Sitzkissen in Auftrag gegeben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_0045-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-127\" srcset=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_0045-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_0045-300x200.jpg 300w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_0045-768x512.jpg 768w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_0045-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_0045-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Die B\u00fchne (Photo: Petra Moser)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das Kost\u00fcmbild hatte Angelika Daphne Katzinger schlichte, wei\u00dfe Kost\u00fcme in geraden und relativ fl\u00e4chigen Schnitten entworfen, um auch die Darsteller:innen als Projektionsfl\u00e4chen nutzen zu k\u00f6nnen und sie so ein St\u00fcck weit im \u201eDatennebel\u201c \u2013 unter anderem waren Quellcodes als Projektion geplant \u2013 verschwinden lassen zu k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus sollten Angela Waidmann und Alexander Julian Meile mit In-Ear-Kopfh\u00f6rern ausgestattet werden, deren Funkempf\u00e4nger als \u201etechnisches Herz\u201c unter den Kost\u00fcmen sichtbar leuchten sollte. Weiters wurden noch Keyboards als technische Ausstattung der Schauspieler:innen in Erw\u00e4gung gezogen, damit sie die Auff\u00fchrung als Operator:in oder Regisseur:in ggf. steuern k\u00f6nnten. Im Probenprozess selbst wurde die Idee allerdings aus Praktikabilit\u00e4tsgr\u00fcnden verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Probenprozess<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konzeptionsprobe, also der Probenauftakt zu <em>Prometheus Unbound<\/em>, fand am 4. November 2019 in Linz mit einer Vorstellung der beteiligten Personen, des grunds\u00e4tzlichen Vorhabens sowie der \u00e4sthetischen Eckpfeiler statt. Insbesondere in der ersten Woche bestand die Probenarbeit selbst im Wesentlichen aus Gespr\u00e4chen \u2013 Proben \u201eam Tisch\u201c, wie es am Theater hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Struktur des Abends wurde mit Einleitung, drei Zwischenteilen und Schluss nach wie vor ein F\u00fcnfakter avisiert. Marcel Karnapke plante daf\u00fcr auch den Einsatz von sogenannten Intermissionen, also Momenten, in denen das Publikum mit den k\u00fcnstlerischen Erzeugnissen der KI \u2013 etwa einem Reigen aus ineinander \u00fcbergehenden Bildern \u2013 konfrontiert werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben den Gespr\u00e4chen und der Einf\u00fchrung der Darsteller:innen ins Thema \u201aK\u00fcnstliche Intelligenz in der Kunstproduktion\u2019 stand zun\u00e4chst die Besch\u00e4ftigung mit dem Prometheus-Mythos an erster Stelle. Die Dramaturgin Wiebke Melle hatte dazu auf Bitte von Bj\u00f6rn Lengers im Vorfeld unterschiedliche \u00dcbersetzungen von Aischylos\u2019 <em>Der gefesselte Prometheus <\/em>zusammengetragen. Erstens gab es so einen inhaltlichen Startpunkt, zweitens konnte so gemeinsam die Auseinandersetzung mit menschlich erzeugtem Text beginnen. Wie unterschiedlich kann ein und derselbe Sachverhalt bei verschiedenen Autor:innen klingen? Wie unterscheidet sich Sprache und welche wirkt besonders kunstfertig?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verglichen wurden an diesem ersten Punkt \u00dcbersetzungen von Johann Gustav Droysen (1832), Heiner M\u00fcller (1970) und Peter Handke (1986) durch gemeinsame Lekt\u00fcre und anschlie\u00dfendes Gespr\u00e4ch, das bei den CyberR\u00e4ubern typischerweise in einem hierarchiefreien Raum stattfindet \u2013 das hei\u00dft, ohne R\u00fccksicht auf die T\u00e4tigkeit oder Funktion der beteiligten Personen. Dabei kristallisierten sich zwei Passagen heraus, die nach kollektiver Einsch\u00e4tzung inhaltlich f\u00fcr die Auff\u00fchrung relevant sein k\u00f6nnten: zum einen der Anfangsdialog zwischen Kratos und Hephaistos, der den Auftrag zur Bestrafung des Prometheus beinhaltet; zum anderen ein Monolog von Prometheus selbst, in dem er beschreibt, welche F\u00e4higkeiten die Menschen ihm zu verdanken haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im weiteren Verlauf der Proben wurde schlie\u00dflich entschieden, diese Passagen als Startrampe zu benutzen, von der ausgehend es sich immer weiter in maschinell generierte Sph\u00e4ren vordringen lie\u00dfe. Im Endprobenprozess mussten sie allerdings noch einmal stark reduziert werden, weil sich insbesondere der Anfangsdialog zwischen Kratos und Hephaistos als \u00fcberfl\u00fcssig herausgestellt hatte. Er f\u00fchrte sowohl inhaltlich als auch formal auf eine falsche F\u00e4hrte. Der Monolog des Prometheus jedoch eignete sich auch weiterhin gut als eine Art Pr\u00e4ambel f\u00fcr das Vorhaben der CyberR\u00e4uber, die M\u00f6glichkeiten k\u00fcnstlicher Kunst zu erkunden. Deswegen r\u00fcckte dieser Text Anfang Dezember an den Beginn des St\u00fccks und wurde bis zur Premiere immer weiter reduziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alles ist Material<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bj\u00f6rn Lengers pr\u00e4sentierte den Produktionsmitgliedern Anfang November erste Ergebnisse seiner Versuche, einen Machine-Learning-Algorithmus mit unterschiedlichen Texten wie etwa der Bibel, <em>Prometheus<\/em>-\u00dcbersetzungen und Goethes Sturm-und-Drang-Gedicht <em>Prometheus<\/em> zu \u201ef\u00fcttern\u201c und etwas Eigenes daraus erstellen zu lassen. Zwar war dabei auch schlicht viel Quatsch herausgekommen: fehlerhafte Orthografie, Wortneusch\u00f6pfungen, unsinnige grammatikalische Verbindungen, unendliche Wiederholungen oder nahezu identische Satzschleifen. Und doch zeigten die entstandenen Texte \u00fcber k\u00fcrzere Strecken immer wieder auch eine erstaunliche inhaltliche und formale Stringenz. Zum Vergleich hier drei Mal dieselbe Passage der unterschiedlichen \u201aAutor:innen\u2018. Bei Peter Handke hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDich, hochfahrendes Kind der rechtdenkenden Themis, \/ Werde ich, ein Widerwilliger einen Widerwilligen, \/ Mit unl\u00f6sbaren Eisen an diese entmenschte Steinwand nageln, \/ Wo du entfernt sein wirst vom Stimmklang und vom Anblick \/ Aller Wesen. Dastehend in nichts als dem Brand der Sonne, \/ Wirst du das Schrumpfen deiner Bl\u00fctenhaut erleben [&#8230;].\u201c<a id=\"sdfootnote13anc\" href=\"#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Heiner M\u00fcller wird daraus:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eSohn der Themis, viel planender, unwillig \/ In haltbarer Fessel dich Unwilligen jetzt \/ Werde ich aufh\u00e4ngen an dieser Gegend \/ Damit nicht Stimme noch Gestalt \/ Von Sterblichen du wei\u00dft mehr, sondern verbrannt \/ Von der Sonne mit glei\u00dfendem Licht \/ Deiner Haut vergeht die Bl\u00fcte.\u201c<a id=\"sdfootnote14anc\" href=\"#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die maschinell generierte Variante lautet dazu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eHochgesinnter Sohn von Themis, der gegen meinen Willen, nicht weniger als deine, geradlinig r\u00e4t, muss ich dich mit dreisten Fesseln vernieten, die keine Hand an diesen trostlosen Felsen verlieren kann, wo du weder Stimme noch Form eines sterblichen Menschen wahrnehmen wirst; aber, verbrannt von den hellen Strahlen der Sonne, wirst du die sch\u00f6ne Bl\u00fcte deines Fleisches verlieren.\u201c<a id=\"sdfootnote15anc\" href=\"#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Produktionsteam herrschte schnell Begeisterung \u00fcber die Qualit\u00e4t der erzeugten Texte. Die \u00c4hnlichkeit zu Form und Duktus moderner Dramatik war schlagend. Offensichtlich war, dass die Beschaffenheit dieser Texte an etwas Bekanntes ankn\u00fcpfte, was f\u00fcr die professionellen Theaterschaffenden ein Verst\u00e4ndnis und einen Umgang erm\u00f6glichte. Ein gewisses Ma\u00df an Schr\u00e4gheit war dank der Vertrautheit mit der manchmal enigmatischen Sprache etablierter Dramatiker:innen durchaus hinzunehmen. Eine zus\u00e4tzliche Verwandlung fand statt, wenn Angela Waidmann und Alexander Julian Meile diese Passagen dann auch noch b\u00fchnenwirksam vortrugen: Durch die Beglaubigung der professionell ausgebildeten Stimmen und K\u00f6rper war die k\u00fcnstlich erzeugte Dramatik im besten Falle dann kaum noch von der menschlich verfassten zu unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eManchmal kriegen diese Texte eine Qualit\u00e4t \u2013 Qualit\u00e4t wei\u00df ich nicht \u2013 aber sie lesen sich, sie h\u00f6ren sich an, wie sich manchmal moderne dramatische Texte anh\u00f6ren. Wie sich M\u00fcller anh\u00f6rt. M\u00fcller wird sicherlich auch anders gesprochen haben, aber wenn er geschrieben hat, hat er eine Form, die widerst\u00e4ndig, die br\u00fcchig ist, die teilweise kaputt ist \u2013 und so war das jetzt halt auch. Wir hatten auf einmal einen Text, der irgendwie, also wo uns klar geworden ist: wenn du nicht sagst, der ist aus der Maschine, dann kann man sich tagelang damit auseinandersetzen und denken: Ui, was hei\u00dft das denn blo\u00df? Hei\u00dft das irgendwas oder ist das Quatsch? In dem Moment, wenn du sagst, es kommt aus der Maschine, ist jedem klar: Das ist ja Quatsch. Aber wenn ich das nicht tue, funktioniert das vielleicht anders.\u201c<a id=\"sdfootnote16anc\" href=\"#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"PROMETHEUS UNBOUND\" width=\"525\" height=\"295\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/efwXXaUaKmQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Beginn an war klar, dass keines der textgenerierenden Programme bereits dazu in der Lage w\u00e4re, ein vollst\u00e4ndiges B\u00fchnenst\u00fcck zu liefern, mit dem eine ganz konventionelle Probenarbeit m\u00f6glich w\u00e4re. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter kippten die maschinell erzeugten Texte doch immer in kruden Unfug, der einem Publikum \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum nicht zuzumuten gewesen w\u00e4re. Dennoch entstand hier bereits im Kollektiv die Idee, diesen Kippmoment von Sinn zu Unsinn sehr wohl in den Theaterabend zu integrieren und dabei auch das Publikum ein St\u00fcck weit im Ungewissen zu lassen, wann genau ein Mensch, wann eine Maschine der\/die Autor:in war. F\u00fcr diesen Kippmoment bot sich ein in der Anfangsphase entstandener Text in Versform an, den der Machine-Learning-Algorithmus nach dem Training mit Goethes Gedicht <em>Prometheus<\/em> generiert hatte und der sich irgendwo zwischen dem dr\u00e4uenden Ton antiker Trag\u00f6dien, ans Mittelhochdeutsche erinnernden Sprachbl\u00fcten und blankem Unsinn bewegte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eBedecke deinen Himmel, ich selbst \/ Der niederkehrenden Heer nicht, \/ Der vielger\u00fcstlich verw\u00fcsteten. \/ Wenn freundliche B\u00fcrse \/ Wenn wie freudigkeitete Wohnung \/ In der selbersten Arme Zorn, \/ Wie der Inachosje, den zuletztest \/ In der selbersten Schiffe, \/ Der in mehrblickenden Schiffen \/ Beide, weremlich wohl \/ Der Herrscher im Heer und Zorn \/ Der wohlan Bewohner diezeile mit dir. \/ [\u2026] Ist der gel\u00e4nde Bitter shoulders, \/ Ist von dannenburgen Mal, \/ In Denknerding, in Salzburg \/ In Besse nachdem Geschlecht \/ In Meer, Meer der k\u00fchle Fluch, \/ In Nacht der Br\u00fcderngeh\u0115sieger, \/ In St\u00e4dzervernetzgeb\u00e4rz, \/ In Sittendydde M\u00fchend [\u2026] \/ In Tochigi, in Kanazawa \/ In Tochigi, in Kumamoto, in Fukuoka \/ In Tochigi, in Tochigi, in Tochigi, \/ in Kumamoto [\u2026]\u201c<a id=\"sdfootnote17anc\" href=\"#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Text sollte unmittelbar auf die ebenfalls in Versform verfasste Passage aus Aischylos\u2019 <em>Der gefesselte Prometheus<\/em> folgen, in der Angela Waidmann und Alexander Julian Meile mittlerweile als eine Art doppelk\u00f6pfiger Prometheus in hohem Ton deklamierten, die Menschheit h\u00e4tte ihm die F\u00e4higkeit zur Kunst zu verdanken. Die bildreiche Sprache beider Texte einerseits und der \u00e4hnliche Ton des Vortrags andererseits \u2013 Alexander Julian Meile hatte das \u201aGedicht\u2018 ausw\u00e4ndig gelernt und performte es mit beachtlicher Verve \u2013 t\u00e4uschten auch in den sp\u00e4teren Vorstellungen erstaunlich lang dar\u00fcber hinweg, dass hier zwei v\u00f6llig unterschiedliche Urheber am Werke waren, bis schlie\u00dflich sehr wohl skeptische Blicke und Lacher im Zuschauer:innenraum \u00dcberhand nahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gem\u00e4\u00df dem Prinzip \u201aAlles ist Material\u2019 wurden im gemeinsamen Rechercheprozess aber noch weitere Texte in Betracht gezogen, die zwar per se nicht als B\u00fchnentexte geschrieben waren, sich als Ausgangsquellen f\u00fcr den GPT-2 aber durchaus eigneten. Dazu geh\u00f6rten etwa Ausz\u00fcge von Hararis <em>Homo Deus<\/em>, ein Kochrezept, \u00c4u\u00dferungen Donald Trumps zu wassersparenden Toiletten sowie ein Landestheater-interner Brief vom Schwarzen Brett, in dem Theater und Orchester als \u201e\u201aanaloge\u2018 Felsen\u201c in der \u201edigitalen Brandung\u201c<a href=\"#sdfootnote18sym\" id=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> beschworen wurden. Entweder ber\u00fchrten diese Texte also inhaltlich Digitalit\u00e4t oder sie waren sprachlich kurios genug, um Unterschiede zwischen menschlich und maschinell verfasster Sprache zu verwischen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Prinzip \u201aAlles ist Material\u2018 geh\u00f6rte auch die gemeinsame Erkundung, was f\u00fcr Texte entstehen, wenn man \u201adie Maschine\u2018 zum Themenkomplex \u201aTheater\u2019 befragt. Daf\u00fcr waren alle Produktionsmitglieder dazu eingeladen, auch nach Probenschluss die Machine-Learning-Programme und Textgeneratoren wie etwa den GPT-2 auszuprobieren und die Ergebnisse dann mittels gemeinsamer Messenger-Dienst-Gruppe zu teilen. So wurden \u201adem Computer\u2018 dann beispielsweise Fragen zur Beschaffenheit eines gelungenen Theaterst\u00fccks gestellt, die teils mit unterhaltsamen Binsen beantwortet wurden: \u201eWhat do you need for a good piece of theatre to be staged? \u2013 I would say, not only an incredible story, but that you must make it in [sic!] the theatre.\u201c<a href=\"#sdfootnote19sym\" id=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wirklich neue Erkenntnisse waren so zwar nicht zu erwarten, aber zumindest skurrile bis bemerkenswerte Dialoge und andere Textformen. Dar\u00fcber hinaus wurde dem Team gespiegelt, dass die Programme sehr wohl S\u00e4tze formulieren k\u00f6nnen, die sich von Rezipient:innen als Weisheit lesen lassen, wie etwa: \u201eGute Schauspieler sind Schauspieler, nach denen man st\u00e4ndig sucht.\u201c<a href=\"#sdfootnote20sym\" id=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a> Eingang in die sp\u00e4tere Fassung fanden diese Texte nach gemeinsamer Beratung zwar nicht, allerdings waren sie ein wichtiger Schritt innerhalb des Probenprozesses.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben den allgemeineren Aussagen \u00fcber das Theater durch den GPT-2 gab es auch den Wunsch der CyberR\u00e4uber nach theatralen Situationen, die sich m\u00f6glichst einfach herstellen lie\u00dfen und eine gewisse emotionale Intensit\u00e4t hervorrufen k\u00f6nnten. Deswegen wurde zun\u00e4chst ein Konflikt, sp\u00e4ter auch eine Liebesszene erwogen. Bei ersterem gab es \u00dcberlegungen, einen Konflikt zwei Mal durchzuspielen: ein Mal im Rahmen eines menschlich verfassten Texts, ein Mal in einem maschinell generierten. Im Probenprozess selbst stellte sich jedoch heraus, dass die Liebesszene \u2013 Grundlage war ein Auszug aus Shakespeares <em>Romeo und Julia<\/em> \u2013 insbesondere in der Fortschreibung durch das Machine-Learning-Programm die gr\u00f6\u00dfere theatrale Kraft und Unterhaltsamkeit lieferte: Mal blieb es ber\u00fchrend und romantisch, mal verwandelte es sich in einen bitterb\u00f6sen Konflikt oder einen schl\u00fcpfrigen Softporno, mal blieb es erstaunlich lang dialogisch, mal setzte relativ schnell Flie\u00dftext in einem v\u00f6llig fremden Themenbereich ein. So klar die Ausgangslage war, so \u00fcberraschend war, was \u201adie Maschine\u2018 daraus machte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eManchmal merkt man, dass unsere Maschine die Aufmerksamkeit verliert und einfach sagt: So, jetzt ist hier mal gut mit <em>Romeo und Julia<\/em>. Jetzt ist halt Sportberichterstattung. Und das ist auch spannend. [\u2026] Nat\u00fcrlich ist das eigentlich Zufall, in gewisser Hinsicht. Das ist eine ganz banale Technologie. Deswegen erz\u00e4hlt so ein Ding immer mehr \u00fcber uns als Menschen als \u00fcber so eine Technik. Wir sind auch Maschinen, die unheimlich gut Muster erkennen k\u00f6nnen. Das ist uns in die Wiege gelegt, weil das wichtig war, um in der Wildnis zu \u00fcberleben. [\u2026] So funktioniert wahnsinnig viel an menschlicher Erkenntnis. Wir versuchen Muster zu interpretieren. Wir nehmen was, bauen das zusammen und dann ist das was f\u00fcr uns. Diese Pattern-Recognition-Geschichten \u2013 das spielt uns in diesem Rahmen total in die H\u00e4nde. [&#8230;] Wir k\u00f6nnen gar nicht anders als da draufzugucken und dem irgendwie Sinn zu geben.\u201c<a id=\"sdfootnote21anc\" href=\"#sdfootnote21sym\"><sup>21<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende dieser Phase der Materialsammlung stand schlie\u00dflich eine kuratierte Collage aus vorab festgelegten Textanf\u00e4ngen, die im Verlaufe des Theaterabends in rascher Abfolge in den GPT-2 eingespeist und dann live fortgeschrieben werden sollten. Daneben wurden jene Resultate, die im Probenprozess entstanden waren und sich als besondere Perlen erwiesen hatten, als \u201adoppelter Boden\u2018 in der R\u00fcckhand behalten, um w\u00e4hrend der Vorstellungen im Falle technischer Schwierigkeiten auf sie zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Bild- und Tonebene wiederum war es unumg\u00e4nglich, ausschlie\u00dflich vorab produziertes Material zu nutzen, um eine gewisse Qualit\u00e4t verl\u00e4sslich halten zu k\u00f6nnen. Wie auch schon bei den Texten wurden hier von Bj\u00f6rn Lengers und Marcel Karnapke in gewisser Weise kuratorische T\u00e4tigkeiten ausge\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWir haben dann letzten Endes relativ viel an Musik und Video generiert und haben das dann zusammengestellt, dass das irgendwie eine gewisse H\u00f6he h\u00e4lt f\u00fcr das, was wir da eigentlich wollen. Wir haben die aber nicht in irgendeiner Form beeinflusst, sondern man ist eigentlich ein Kurator. Man w\u00e4hlt aus [\u2026]. [D]iese Maschine kann 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche einfach Dinge produzieren \u2013 unglaubliche Mengen an Zeug, die alle irgendwie interessant sind \u2013 und unsere Rolle ist da eher auszuw\u00e4hlen. Und [das] f\u00fcr uns an dieser Stelle Interessante ist, dass es jedes Mal eine v\u00f6llig andere Situation und eine andere Spielszene [ist], die aber trotzdem funktioniert. Und das erz\u00e4hlt nat\u00fcrlich weniger \u00fcber die Maschine oder die Technologie, sondern das erz\u00e4hlt viel, viel mehr \u00fcber die Art und Weise, wie wir Theater gucken und erleben.\u201c<a id=\"sdfootnote22anc\" href=\"#sdfootnote22sym\"><sup>22<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen von sogenannten \u201aIntermissionen\u2018, also visuell-akustischen Zwischenspielen, sollten die k\u00fcnstlich generierte Musik und selbiges Bildmaterial mit den Darsteller:innen zusammenwirken und im besten Fall \u201emagische Moment[e]\u201c erzeugen, \u201ewo auf einmal was entsteht \u2013 was nicht beabsichtigt, aber interessant ist, oder sch\u00f6n, oder ber\u00fchrend\u201c<a href=\"#sdfootnote23sym\" id=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a>. Diese waren schlie\u00dflich an zwei Stellen des St\u00fccks vorgesehen: einmal mittig nach dem Parforce-Ritt der Darsteller*innen durch die kuratierte Textcollage, als eine Art Ruhe- und Meditationspunkt. Dabei sollten zu rein maschinell komponierter Klaviermusik Bilder morphen, die stark an Gem\u00e4lde der klassischen Moderne erinnerten. Und ein weiteres Mal am Ende der Auff\u00fchrung, wenn die Darsteller:innen \u2013 wieder zu einer maschinell erzeugten Klaviermelodie \u2013 quasi durch eine Galerie aus Portraitfotografien nicht existierender, algorithmisch generierter Menschen lustwandeln sollten: ein poetischer Moment, der jedoch bei l\u00e4ngerem Nachdenken zugleich schwindeln machte, so t\u00e4uschend echt wirkten diese Gesichter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die dritte Mitspielerin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Schwerpunkt insbesondere in der anf\u00e4nglichen Sondierungsphase war das gemeinsame Gespr\u00e4ch \u00fcber tradierte Technologiebilder, aber auch dar\u00fcber, wie sich jede\/r Einzelne k\u00fcnstliche Intelligenzen vorstellt, wie er oder sie das Leben im digitalen Zeitalter sieht und wie sich das auf die B\u00fchne \u00fcbertragen lie\u00dfe. Neben der Furcht vor der individuellen Messbarkeit und der digitalen \u00dcberwachung ging es dabei auch um die Unausweichlichkeit, sich im Netz zu verstricken sowie um die M\u00f6glichkeiten wechselnder Geschlechter und Daseinsformen wie etwa jener der Cyborgs. Bj\u00f6rn Lengers und Marcel Karnapke entwarfen in dieser Phase auch das Bild von k\u00fcnstlichen Intelligenzen als kindliche Maschinen, die auf den Menschen angewiesen seien, weil sie trotz allen Errungenschaften noch \u201ain den Kinderschuhen\u2018 steckten, auch wenn sie jeden Tag unermessliche Lernfortschritte machten. Ein Bild, das der landl\u00e4ufigen Vorstellung einer bedrohlichen Terminator-Figur entgegensteht und das auch an anderer Stelle benutzt wurde<a id=\"sdfootnote24anc\" href=\"#sdfootnote24sym\"><sup>24<\/sup><\/a>. Gemeinsam wurde nun \u00fcberlegt, inwiefern man diesem Bild gerecht werden k\u00f6nnte. \u201aDie Maschine\u2018 mit kindlicher Stimme sprechen lassen? Angela Waidmann und Alexander Julian Meile als zwei Erwachsene etablieren, die ihr gewisse Sachverhalte erst beibringen? \u201aDie Maschine\u2018 beim Lernen zeigen? Oder gar technische St\u00f6rungen bzw. Verbindungsprobleme zwischen Darsteller:innen und Computer simulieren?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/youtu.be\/VmHs9m6dol8\n<\/div><figcaption>Aus dem Livestream (Gastspiel am td Berlin im Fr\u00fchjahr 2021)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das utopische Moment eines harmonischen Zusammenlebens zwischen Mensch und Maschine im Verlaufe des Theaterabends sp\u00fcrbar werden zu lassen, schlug Bj\u00f6rn Lengers vor, das Gedicht <em>All watched over by machines of loving grace<\/em> von Richard Brautigan (1967) einzubauen: Zum einen als Ausgangsmaterial f\u00fcr den GPT-2, denn Versuche, das Gedicht von diesem Programm fortsetzen zu lassen, waren erstaunlich virtuos und kaum vom Original zu unterscheiden<a href=\"#sdfootnote25sym\" id=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a>. Ironischerweise herrschte gar kurz Verwirrung, ob Richard Brautigan nicht selbst der Name eines GAN sei, das bereits das Ursprungsgedicht erzeugt habe. Zum anderen wurde in Erw\u00e4gung gezogen, das Gedicht von einer \u201aComputerstimme\u2018 rezitieren zu lassen. W\u00e4hrend der Proben kristallisierte sich jedoch heraus, dass es noch keine k\u00fcnstlich generierte Stimme g\u00e4be, die das Gedicht in gew\u00fcnschter Form vortragen k\u00f6nnte. Deswegen wurde schlie\u00dflich entschieden, dass nur eine menschliche Kinderstimme der Intention gerecht werden k\u00f6nnte. Da die Schauspielerin Angela Waidmann selbst eine Tochter im lesef\u00e4higen Alter hat, wurde diese Ende November kurzerhand engagiert, um das Gedicht f\u00fcr die Produktion einzusprechen. Die Dramaturgin \u00fcbersetzte das Gedicht dazu ins Deutsche und die Sechsj\u00e4hrige studierte das Gedicht f\u00fcr eine Tonaufnahme ein, die den Theaterabend schlie\u00dflich er\u00f6ffnen sollte. Und um die dramaturgische Klammer auch wieder zu schlie\u00dfen, wurde im Verlauf der Endproben entschieden, dass die Darsteller:innen das englische Original auch am Ende noch einmal selbst rezitierten, inklusive der besagten GPT-2-Fortschreibungen, die jede Vorstellung live generiert werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bj\u00f6rn Lengers hatte au\u00dferdem bereits zu Probenbeginn die Fantasie in den Raum gestellt, dass man wom\u00f6glich zu dritt musizieren k\u00f6nne. Auch hierbei stand dahinter der Gedanke, mit <em>Prometheus Unbound<\/em> nicht das sonst theater\u00fcbliche technikkritische Narrativ zu bedienen, sondern nach einer Poesie oder einer k\u00fcnstlerischen Kraft zu suchen, die aus der Erg\u00e4nzung von Mensch und Maschine entstehen k\u00f6nnte. Zum einen wurde zu diesem Zweck sehr bald ausprobiert, was f\u00fcr Musik sich live generieren lie\u00dfe und inwiefern es den Schauspieler:innen m\u00f6glich w\u00e4re, darauf einzugehen. Schnell stellte sich aber heraus, dass die Unvorhersehbarkeit der Resultate auch bei gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Flexibilit\u00e4t der Darsteller:innen zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis f\u00fchrte. Zum anderen bat Bj\u00f6rn Lengers um die Einstudierung des Chors von \u201eHush no more\u201c aus Purcells Semi-Oper <em>The Fairy Queen<\/em>: Alexander Julian Meile und Angela Waidmann sollten Bass- bzw. Sopranstimme \u00fcbernehmen, w\u00e4hrend \u201adie Maschine\u2018 sich in den Stimmklang einf\u00fcgen sollte. Wiebke Melle bot an, den Schauspielmusiker des Landestheaters, Neboj\u0161a Krulanovi\u0107, mit der Einstudierung des St\u00fccks zu beauftragen und ihn dar\u00fcber hinaus um die Einspielung jener Stimmen zu bitten, die ggf. in ein Machine-Learning-Programm eingespeist werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Technologien aber ansonsten am Theaterabend vorkommen sollten bzw. in welcher Form sie tats\u00e4chlich dargestellt oder verk\u00f6rpert werden k\u00f6nnten, war relativ lange unklar. Zwar gab es \u00dcberlegungen, eine Art sichtbaren Computer als Mitspieler auf der B\u00fchne zu etablieren. Marcel Karnapke hatte probehalber dazu seine private Alexa, den virtuellen pers\u00f6nlichen Assistenten von Amazon, mitgebracht. Mit der Ansprache \u201eComputer,\u2026\u201c richteten die Produktionsbeteiligten immer wieder Fragen an das sprachgesteuerte Ger\u00e4t. Mal lieferte sie binnen weniger Sekunden Wissen und verk\u00fcrzte auf diese Weise die Recherchearbeit, die sonst h\u00f6chstwahrscheinlich bei der Dramaturgin gelegen h\u00e4tte. Mal sorgte Alexa f\u00fcr Heiterkeit, wenn sie den Anwesenden auf ihre Bitten hin Witze erz\u00e4hlte. Aus dieser aktiven Rolle heraus verfestigte sich die Idee von der Maschine als dritter Mitspielerin neben den menschlichen Darsteller:innen. So wurde noch Ende November in Betracht gezogen, Alexa den Abend mit dem Aushang vom Schwarzen Brett er\u00f6ffnen zu lassen. Nach einigen Versuchen wurde diese Idee allerdings wieder verworfen, weil sich die Produktionsbeteiligten ziemlich bald einig waren, dass ein solcher Einstieg in diesen technikbasierten Abend zum einen allzu klischiert w\u00e4re, der Einsatz eines solchen sprachgesteuerten Ger\u00e4ts zum anderen am eigentlichen Produktionsthema vorbeif\u00fchren w\u00fcrde. Was dar\u00fcber hinaus gegen ein einzelnes Ger\u00e4t als dritten Darsteller sprach, war ein Gebot, das Marcel Karnapke bereits am ersten Probentag verk\u00fcndet hatte: \u201eDu kannst dir kein Bild machen.\u201c Denn nat\u00fcrlich bestand die Gefahr, mit dieser einen Maschine auf der B\u00fchne auch die irref\u00fchrende Illusion zu reproduzieren, es g\u00e4be die eine Verk\u00f6rperung von k\u00fcnstlicher Intelligenz. Aus diesem Grund wurde gegen Probenende wieder davon Abstand genommen, einen Rechner o.\u00e4. auf der B\u00fchne zu zeigen. Stattdessen sollten die unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen oder Einsatzm\u00f6glichkeiten k\u00fcnstlicher Intelligenzen offengelegt und als Werkzeuge pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Werkzeuge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach ersten Proben, auf denen vorab generierte Texte gemeinsam gelesen bzw. von den Darsteller:innen vorgetragen worden waren, wurde der Vorgang der Texterzeugung selbst zum Bestandteil der Proben. Die Probeb\u00fchne wurde dazu mit der entsprechenden Infrastruktur ausgestattet: einem Rechner, mehreren Beamern und Projektionsfl\u00e4chen, die bereits so angeordnet wurden, wie es schlie\u00dflich auch f\u00fcr die Studiob\u00fchne vorgesehen war. Der Live-Aspekt der Texterzeugung r\u00fcckte nun in den Vordergrund. Das wesentliche Programm hierf\u00fcr war nat\u00fcrlich der besagte GPT-2. Da dieser allerdings lediglich in englischer Sprache verf\u00fcgbar war, bedurfte es einer \u00dcbersetzung, m\u00f6glichst schnell und einfach zu handhaben. Alexander Julian Meile machte die Produktionsbeteiligten auf das Instant-\u00dcbersetzungsprogramm DeepL aufmerksam. Dabei handelt es sich um einen Onlinedienst zur maschinellen \u00dcbersetzung, das auf dem Einsatz eines neuronalen Netzwerks basiert, welches wiederum mit einem Onlinew\u00f6rterbuch trainiert wurde, und bemerkenswert sprachgewandte Ergebnisse liefert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1296-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-128\" srcset=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1296-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1296-300x200.jpg 300w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1296-768x512.jpg 768w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1296-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1296-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Angela Waidmann und Alexander Meile (Photo: Petra Moser)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bj\u00f6rn Lengers und Marcel Karnapke erzeugten nun also Texte mittels GPT-2, indem sie einen sogenannten \u201aprompt\u2018, also einige S\u00e4tze oder eine Frage, als Ausgangsmaterial in das Programm eingaben, und die daraus resultierenden Fortschreibungen des Algorithmus dann mittels DeepL \u00fcbersetzen lie\u00dfen. Die \u00dcbersetzungen wurden auf die Leinw\u00e4nde projiziert und von dort zun\u00e4chst unmittelbar von Angela Waidmann und Alexander Julian Meile abgelesen. Dieser Vorgang war zwar \u2013 je nach Qualit\u00e4t des Textes \u2013 manchmal unterhaltsam, nutzte sich aber zugegebenerma\u00dfen schnell ab, weil alle Anwesenden den Text mitlasen und so eine Art erweiterter Lesezirkel entstand, der nat\u00fcrlich keineswegs beabsichtigt war. Die Frage war also, mit welchen Mitteln die Texte auf die B\u00fchne zu transferieren w\u00e4ren \u2013 wie sich dieser Vorgang in etwas Theatrales verwandeln lie\u00dfe. Die CyberR\u00e4uber entschieden sich im Austausch mit Angelika Katzinger daf\u00fcr, die Darsteller:innen mit In-Ear-Funkkopfh\u00f6rer auszustatten, \u00fcber die sie die Texte \u201aaufs Ohr\u2018 bekommen sollten. Eine sichtbare Projektion der Texte wurde nun im Grunde \u00fcberfl\u00fcssig \u2013 vorerst zumindest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der n\u00e4chste, noch recht konventionell gedachte Schritt war es, die entstehenden Texte von der Souffleuse Anna Vladimirov via Mikrofon, das wiederum mit dem Knopf im Ohr der Darsteller*innen verbunden war, einlesen zu lassen. Dieser Vorgang war nun insofern interessant, als er die Darsteller*innen ein St\u00fcck weit selbst in fremdgesteuerte Wesen verwandelte und ihnen etwas Artifizielles verlieh. Nichtsdestotrotz funktionierte es nicht besonders gut. Wider Erwarten erleichterten Aussprache und Betonung der zwischengeschalteten menschlichen Stimme den Prozess nicht, sondern verkomplizierten ihn. Deswegen wurde nun ausprobiert, ob eine rein technische \u00dcbermittlung der Texte eine Option sein k\u00f6nnte. Dabei fiel die Wahl auf Balabolka, ein sogenanntes Text-To-Speech-Programm (TTS), das Flie\u00dftext in akustische Sprachausgabe verwandelt. Die kuriose Erkenntnis: In diesem Zusammenhang war die Computerstimme sehr viel hilfreicher. Die betonungslose Wiedergabe erm\u00f6glichte es den Darsteller*innen, v\u00f6llig frei und spontan mit den Texten umzugehen. Und da dar\u00fcber hinaus auch die Geschwindigkeit der Textwiedergabe in Balabolka variiert werden konnte, ergab sich hier noch eine zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit, das Tempo hinauf- und hinunterzudrehen und den Darsteller:innen so eine weitere Reibungsfl\u00e4che zu bieten, etwa f\u00fcr ein extrem verlangsamtes oder beschleunigtes Spiel bei der Performance der Textcollage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem diese Programme als effiziente Werkzeuge gefunden waren, umfasste die Probenarbeit selbst nun \u2013 entgegen der sonst \u00fcblichen Theaterarbeit \u2013 nicht die Auseinandersetzung mit dem Stoff bzw. dem Text selbst, sondern im Wesentlichen den Umgang mit der Technik.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDer Text arbeitet sich jetzt sozusagen durch den K\u00f6rper unseres Schauspielers durch. Er spricht den oder sie spricht den und sie spielen den nat\u00fcrlich auch. Sie entscheiden on the fly \u2013 das hat nat\u00fcrlich ein bisschen was von Improtheater \u2013, ob das jetzt eine Rolle ist, das k\u00f6nnen sie gar nicht wissen, weil sie den ganzen Text gar nicht haben. Die h\u00f6ren nur, was der Algorithmus ihnen jetzt in diesem Moment gerade vorliest. Und sie m\u00fcssen \u00fcberpr\u00fcfen, ob das sozusagen irgendeine Qualit\u00e4t hat, mit der man irgendwie was Besonderes tun kann und dann machen sie das einfach.\u201c<a id=\"sdfootnote26anc\" href=\"#sdfootnote26sym\"><sup>26<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Angela Waidmann und Alexander Julian Meile bestand im Probenprozess also die besondere Herausforderung darin, sich dem zu stellen, was sie unmittelbar aufs Ohr bekamen, sich auf ihre schauspielerische Intuition zu verlassen und im entscheidenden Moment die richtigen Mittel abzurufen \u2013 die noch dazu nicht immer die naheliegenden sein mussten.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8220;[D]as ist auch das Interessante im Probenprozess gewesen, dass man da mit umgehen lernt, dass man halt nicht immer die Schublade aufzieht, die im ersten Impuls diejenige ist, die man braucht. Weil sich das kein Mensch anh\u00f6ren kann, selbst wenn es nur zehn Minuten sind, wenn da die ganze Zeit rumdeklamiert wird in so einem M\u00fcllerschen Stil. Krieg ich da eine Z\u00e4rtlichkeit rein? Kann ich ein Kochrezept dramatisch vortragen? Und insofern ist es auch ein gro\u00dfes Wunder, das die beiden \u2013 Angela und Alex \u2013 da teilweise draus machen. Vor allem ist es deswegen ein Wunder, weil sie \u00fcberhaupt nicht wissen, was da kommt und es ja auch jedes Mal anders sein kann.\u201c<a id=\"sdfootnote27anc\" href=\"#sdfootnote27sym\"><sup>27<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach wenigen Probentagen beherrschten die beiden Darsteller:innen den Umgang mit dem technischen Equipment derart reibungslos, dass sie rein theoretisch \u00fcber Stunden hinweg live generierte Texte h\u00e4tten vortragen k\u00f6nnen. Und die theatrale Darbietung der Texte machte vergessen, dass die Inhalte just in diesem Moment entstanden waren, ohne vorher aus menschlichen Gedanken resultiert zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Relativ lang bestand die Idee, die Darsteller:innen mit Keyboards auszustatten und ihnen damit auch die M\u00f6glichkeit zur Steuerung der eingesetzten Rechner und Programme zu \u00fcbergeben. Langfristig stellte sich aber heraus, dass es logistisch unm\u00f6glich war, die Idee im Rahmen dieser Produktion zu realisieren. Und ohnehin war bereits ab Mitte November diskutiert worden, ob die Steuerung der Programme nicht der Regieassistentin \u00fcberantwortet werden k\u00f6nnte. Zwar bedurfte es einer gewissen \u00dcberzeugungsarbeit der CyberR\u00e4uber, weil Nina Metzger damit auch prominent im Zuschauer:innenraum platziert werden sollte, sie willigte aber schlie\u00dflich ein. Ihr oblag damit fortan die verantwortungsvolle Funktion eines Textjockeys bzw. einer TJane, die sich darauf verstehen musste, die eingesetzten Programme reibungslos zu bedienen und auch innerhalb k\u00fcrzester Zeit zu entscheiden, ob Eingriffe n\u00f6tig w\u00e4ren. So kam es in der Folge der Vorstellungen beispielsweise vor, dass sich der GPT-2 bei der Generierung in Textschleifen verfing oder die vorab produzierten Texte (der sogenannte \u201eNot-Switch\u201c) eingespeist werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<strong>Wir wollen keinen Erkl\u00e4rb\u00e4r\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese ge\u00f6lte Schauspiel-Maschinerie, die Mitte November bereits auf der Linzer Probeb\u00fchne lief, hatte nun nat\u00fcrlich sehr wohl ihre T\u00fccken. Als Probenbesucher:in fragte man sich automatisch, was denn nun der springende Punkt an dieser Angelegenheit sei: Man sah schlie\u00dflich ausgebildeten Darsteller:innen dabei zu, wie sie Texte performten \u2013 kein gro\u00dfer Unterschied zu einem konventionellen Theaterabend. Oder doch? Zwar waren sich alle Produktionsbeteiligten im Grunde einig, dass man das Publikum ein St\u00fcck weit r\u00e4tselnd zur\u00fccklassen wollte, wo genau denn nun \u201ader Computer\u2018 zum Einsatz gekommen war. Dass da aber \u00fcberhaupt ein Computer zum Einsatz gekommen war, war schlechterdings nicht mehr ersichtlich, so gut funktionierte das Ineinandergreifen von just-in-time-produzierten Texten und deren Darstellung. Ein Probenbesuch von Chris Bruckmayr vom Ars Electronica Futurelab, der ebenfalls diesen Seheindruck beschrieb, untermauerte Mitte November den Verdacht, dass das Geh\u00f6rte nicht nur in irgendeiner Form zu sehen sein musste. Mehr noch schien es n\u00f6tig zu sein, transparent zu zeigen und zu erkl\u00e4ren, was da eigentlich gerade passierte. Nicht alle Produktionsbeteiligten waren besonders begeistert von der Vorstellung, nun die Zaubertricks offenzulegen und damit die Illusion zu zerst\u00f6ren (Stichwort: \u201eWir wollen keinen Erkl\u00e4rb\u00e4r.\u201c). Dass Erkl\u00e4rung aber tats\u00e4chlich absolut unverzichtbar war, wurde im sp\u00e4teren Verlauf des Probenprozesses noch deutlicher, als der Chefdramaturg Andreas Erdmann nach einem Durchlauf Anfang Dezember fragte, ob im Gezeigten denn \u00fcberhaupt schon \u201ader Computer\u2018 zum Einsatz gekommen sei. Dass der Theaterabend mittlerweile zu einem Gro\u00dfteil aus maschinell und noch dazu live generierten Inhalten bestand, wurde also nach wie vor \u00fcberhaupt nicht deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesem Grund bauten Marcel Karnapke und Bj\u00f6rn Lengers nun zum einen eine Art Rahmen aus informativen Moderationstexten, die von den Darsteller:innen gesprochen und zu diesem Zweck auch ganz konventionell auswendig gelernt werden konnten. Zum anderen wurde noch einmal an der Sichtbarkeit der technischen Vorg\u00e4nge auf der B\u00fchne gefeilt. So wurden beispielsweise auf den Projektionsfl\u00e4chen verst\u00e4rkt die einzelnen Arbeitsschritte von Nina Metzger projiziert: von der Generierung des Textes \u00fcber dessen \u00dcbersetzung bis hin zur Wiedergabe durch den Balabolka war nun alles transparent zu sehen und wurde zus\u00e4tzlich von den Darsteller:innen fachkundig erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleiches galt im \u00dcbrigen f\u00fcr die sogenannten \u201aIntermissionen\u2018, also jene Inseln innerhalb des Abends, bei denen k\u00fcnstlich generierte Musik zu h\u00f6ren bzw. Bilder zu sehen sein sollten. Einerseits sollte es dem Publikum m\u00f6glich sein, einen weitestgehend unbeeinflussten H\u00f6r- und Seheindruck zu gewinnen. Andererseits war auch hier wieder offensichtlich, dass die Ergebnisse so vertraut wirkten, dass selbst f\u00fcr ge\u00fcbte Ohren und Augen nicht ersichtlich gewesen w\u00e4re, dass hier der Computer etwas ganz Eigenes erschaffen hatte. Auch in diesen F\u00e4llen wurden Angela Waidmann und Alexander Julian Meile deswegen von den CyberR\u00e4ubern in der Endprobenwoche noch mit weiteren erl\u00e4uternden Texten ausgestattet. Denn erst im Verlauf des Theaterabends sollte ein St\u00fcck weit wieder verschwimmen, was menschen-, was maschinengemacht sei \u2013 um das Publikum quasi in eine Art produktive oder erkenntnisstiftende Verwirrung zu versetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einbeziehung des Publikums<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Beginn der Konzeptionsgespr\u00e4che an war klar gewesen, dass die Abgrenzung zwischen Publikumssph\u00e4re und B\u00fchnenraum m\u00f6glichst gar nicht vorhanden sein sollte. Wie genau eine solche Einbeziehung \u2013 in Theaterkreisen auch gern absch\u00e4tzig als \u201eMitmachtheater\u201c gebrandmarkt \u2013 dann aber tats\u00e4chlich aussehen sollte, war im Verlauf der Proben lange Zeit nicht eindeutig definiert. Klar war, dass die immersive B\u00fchnensituation bereits eine gewisse Durchl\u00e4ssigkeit evozieren sollte. Indem die Zuschauer:innen auch auf der B\u00fchne Platz nehmen konnten, sollten sie nicht nur die M\u00f6glichkeit haben, sich in unmittelbarer N\u00e4he zu den Darsteller:innen zu befinden, auch die Projektionen auf den verspiegelten Bodenfl\u00e4chen konnten so noch einmal eine besondere Kraft entfalten. Und de facto l\u00f6sten sich diese \u00dcberlegungen auch ein: Nat\u00fcrlich gab es zu Beginn einer jeden Vorstellung immer wieder eine gewisse Scheu des Publikums, tats\u00e4chlich die \u201aangestammten\u2018 Pl\u00e4tze im Zuschauer:innenraum zu verlassen. Die Darsteller:innen konnten diese Befangenheit aber oftmals mit unerm\u00fcdlichen Einladungen entkr\u00e4ften, wenn sie noch vor Vorstellungsbeginn als Platzanweiser:innen durch den Publikumsstrom geisterten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1393-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-129\" srcset=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1393-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1393-300x200.jpg 300w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1393-768x512.jpg 768w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1393-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DSC_1393-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Alexander Meile und Angela Waidmann (Photo: Petra Moser)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und umgekehrt waren auch die Darsteller:innen dazu angehalten, sich m\u00f6glichst fr\u00fch im eigentlichen Zuschauer:innenraum, auf der Trib\u00fcne, aufzuhalten. Sowohl beim anf\u00e4nglichen Prometheus-Monolog von Aischylos als auch bei der Darbietung der kuratierten Materialcollage bewegten sich Angela Waidmann und Alexander Julian Meile unentwegt durch die Reihen, nahmen hier und da direkt neben den Zuschauer:innen Platz und nutzten sie sogar als Anspielpartner:innen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der r\u00e4umlichen Einbeziehung des Publikums war die Frage der gedanklichen Einbeziehung allerdings nicht ganz so leicht zu realisieren. Dabei ging es den CyberR\u00e4ubern nicht nur darum, den Zuschauer:innen tats\u00e4chlich Einfluss auf das Gezeigte zuzugestehen. Vielmehr sahen sie darin auch die M\u00f6glichkeit, den Live-Aspekt zu verdeutlichen \u2013 dass das Dargebotene also nicht wie sonst am Theater \u00fcblich aufw\u00e4ndig einstudiert und probiert worden war, sondern genau im Moment der Sichtbarkeit entstand. Im Laufe des Probenprozesses gab es unterschiedliche Ideen, die allerdings fast g\u00e4nzlich wieder verworfen wurden. Dazu geh\u00f6rte etwa der Ansatz, das Publikum bereits im Einlass mit Zetteln auszustatten, auf denen es Erwartungen zum Theaterabend oder Fragen zum Thema \u201aDigitalit\u00e4t\u2018 stellen konnte, die im Laufe des Abends beantwortet oder ebenfalls in den GPT-2 eingespeist werden sollten. Auch \u00dcberlegungen, dass die Darsteller:innen das Publikum immer wieder direkt kontaktieren und zu thematisch passenden Fragen ermutigen sollte, fanden keinen gro\u00dfen Wiederhall innerhalb des Produktionsteams \u2013 auch aus der Kenntnis heraus, dass sich ein Theater-Publikum \u00fcblicherweise meist nur schwer aus seiner eher passiven Rezeptionshaltung herauslocken lie\u00dfe. Auch der Versuch, ein\/e x-beliebige Zuschauer:in aus einem Band mit Aischylos\u2019 Trag\u00f6dien einen zuf\u00e4lligen Satz ausw\u00e4hlen und durch den GPT-2 fortsetzen zu lassen, war noch zu umst\u00e4ndlich gedacht. Nachdem sich s\u00e4mtliche Produktionsbeteiligte \u00fcber Wochen hinweg die K\u00f6pfe zerbrochen hatten, wie denn nun der Live-Aspekt elegant zu beweisen w\u00e4re, war die L\u00f6sung dann im Grunde denkbar simpel. Marcel Karnapke schlug schlie\u00dflich vor, relativ fr\u00fch nach Beginn des Theaterabends, direkt nach der Erl\u00e4uterung der Programme durch die Darsteller:innen, eine:n Zuschauer:in zu bitten, einen beliebigen Satz zu formulieren und diesen dann vom GPT-2 fortschreiben zu lassen, um dem Publikum auf diese Weise vorzuf\u00fchren, dass hier tats\u00e4chlich live und ohne weiteren menschlichen Einfluss Texte quasi aus dem Nichts entstanden. Eine Idee, so einfach wie ergiebig: W\u00e4hrend der Vorstellungen waren die Zuschauer:innen nach direkter Ansprache durch die Darsteller:innen meist bereitwillig mit von der Partie und die simultane, manchmal etwas unbeholfene \u00dcbersetzung des jeweiligen Satzes ins Englische sorgte oftmals dar\u00fcber hinaus f\u00fcr Lacher und baute Schwellen zwischen B\u00fchne und Zuschauer:innenraum ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2588<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Premierenstand: Jeder Abend ein neues Original<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende des Probenprozesses stand schlie\u00dflich ein knapp 60-min\u00fctiger Abend, der mittlerweile zwar ohne die sogenannte f\u00fcnfaktige Struktur auskommen musste, daf\u00fcr aber dramaturgisch durch mehrere Klammern zusammengehalten wurde: zum einen durch das Gedicht von Richard Brautigan, das als Utopie eines friedvollen Miteinanders von Mensch und Maschine sowohl am Anfang als auch \u2013 in variierter Form \u2013 am Ende des Abends stand. Zum anderen dadurch, dass die Erkundung k\u00fcnstlich generierter Kunst mit dem Auszug aus Aischylos\u2019 <em>Der gefesselte Prometheus<\/em> dennoch bei \u201amenschengemachter Literatur\u2018 begann und mit Purcells \u201eHush no more\u201c schlie\u00dflich auch wieder bei \u201amenschengemachter Musik\u2018 endete. Dies entsprach der Intention der CyberR\u00e4uber zu verdeutlichen, dass Kunst \u2013 unabh\u00e4ngig von den eingesetzten Werkzeugen \u2013 eben doch nur durch den Menschen entsteht: indem eine Person Materialien \/ Stoffe \/ Texte zu etwas Neuem zusammenf\u00fcgt und dadurch einen Sinn verleiht; indem eine andere Person f\u00fcr sich etwas darin erfahren und erkennen kann.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eIch wei\u00df nicht, was Kreativit\u00e4t am Ende wirklich ist. Wir haben ein Universum, da passieren Dinge. Da wird irgendwas zusammengeworfen, es gibt Regeln \u2013 und daraus entstehen die wunderbarsten Sachen. Und nat\u00fcrlich ist das dann in irgendeiner Form kreativ. [\u2026] Ich glaube, k\u00fcnstliche Intelligenz kann genauso wenig oder genauso sehr kreativ sein wie Menschen auch. [\u2026] Also die Idee, dass da irgendeine Idee entst\u00fcnde aus dem Nichts, aus einem genialen Menschen, am besten einem Mann, der das einfach kann, die halte ich f\u00fcr Quatsch. Ich glaube, wir setzen Dinge zusammen. Wir lernen was, erfahren was [\u2026]. Das, woran ich glaube, ist: Immer entsteht das irgendwie in mir, jede Kunst.\u201c<a id=\"sdfootnote28anc\" href=\"#sdfootnote28sym\"><sup>28<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser soziale Aspekt bzw. das zwischenmenschliche Fundament von Kunst blieb auch im Rahmen von <em>Prometheus Unbound<\/em> unangetastet. Denn auch wenn hier nun Machine-Learning-Programme zum Einsatz kamen, waren sie doch nach wie vor Werkzeuge und keine autark agierenden Kreateure. Um die Melodien, Bilder und Texte zu einer sinnvollen Einheit zu kompilieren, brauchte es zum einen nach wie vor Personen, die diese Algorithmen \u00fcberhaupt erst f\u00fcr eine bestimmte Absicht einsetzten und schlie\u00dflich eine Form der Kuratierung vornahmen \u2013 und zum anderen nat\u00fcrlich Personen, die dieses kuratierte Konvolut als Kunst rezipierten. Die anf\u00e4ngliche konzeptionelle Frage also, ob k\u00fcnstliche Intelligenzen Kunst erzeugen k\u00f6nnen, lie\u00df sich nun klar beantworten: Ja, solange es Menschen gibt, die dem Erzeugnis Sinn zuschreiben \u2013 sei es nun der\/die K\u00fcnstler:in selbst, sei es der\/die Rezipient:in. Ein Ansatz, der seit Marcel Duchamps Readymades und den Anf\u00e4ngen der Konzeptkunst im Kunstfeld etabliert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend war in diesem Zusammenhang sicherlich auch, dass die Nachgespr\u00e4che \u2013 ein im Bereich der Kulturvermittlung ohnehin unverzichtbares Instrument \u2013 vom Publikum meist dankbar und geschlossen angenommen wurden und so die jeweilige Vorstellung zus\u00e4tzlich anreicherten. F\u00fcr die CyberR\u00e4uber war dies allerdings keine gro\u00dfe Neuigkeit, geh\u00f6ren Nachgespr\u00e4che insbesondere im Zusammenhang mit ihren VR-Arbeiten doch schon lang als wichtiger Bestandteil selbstverst\u00e4ndlich dazu.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWir finden echt wichtig, dass man danach mit dem Publikum dar\u00fcber reden kann, was da eigentlich genau passiert ist. Und nicht jetzt unbedingt aus einem aufkl\u00e4rerischen Gedanken, sondern weil wir daran glauben, dass es dadurch auch deeper wird. [\u2026] Man ist eher bei der Frage: Was ist hier eigentlich gerade genau entstanden? Wieso funktioniert das eigentlich? Wieso find ich das eigentlich gerade so schlimm oder so gut? [\u2026] Das ist eine Erfahrung, die wir gemacht haben: Dass die Leute dar\u00fcber reden wollen, was sie da eigentlich gerade gesehen haben.\u201c<a id=\"sdfootnote29anc\" href=\"#sdfootnote29sym\"><sup>29<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Nachgespr\u00e4che verliehen der an und f\u00fcr sich weder technikskeptischen noch kulturpessimistischen Produktion Ambivalenz, weil sich Zuschauer:innen angesichts des Potentials k\u00fcnstlicher Intelligenzen besorgt zeigten und um die Einzigartigkeit menschlicher Kreativit\u00e4t f\u00fcrchteten. Gleichzeitig konnte in diesem Rahmen der gemeinsamen Verst\u00e4ndigung noch einmal verdeutlicht werden, dass hier ein neues Werkzeug erkundet wurde, das \u2013 wie in fr\u00fcheren Jahren etwa die Neukonzipierung des B\u00fchnenraums, die Einf\u00fchrung von Beleuchtungs- und Tontechnik, die Etablierung von Videoarbeiten etc. \u2013 die Erz\u00e4hlformen des Theaters in naher Zukunft ma\u00dfgeblich ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. Hier zeigte sich auch, dass die Entscheidung, die Zuschauer:innen informativ \u201aan die Hand\u2018 zu nehmen, genau richtig gewesen war. Die hier gestellten Fragen und geschilderten Seh- und H\u00f6reindr\u00fccke machten deutlich, dass das Wissen um den \u201astate of the art\u2018 bzw. um den technologischen Entwicklungsstand vorher bei weiten Teilen des Publikums entweder nur diffus oder gar nicht vorhanden gewesen war. Auch sie selbst spiegelten den Produktionsbeteiligten, dass sie auf diese Weise \u00fcberhaupt erst bef\u00e4higt waren, wirklich beurteilen zu k\u00f6nnen, ob das, was entstanden war, nun tats\u00e4chlich als Kunst taugte. Die Einsch\u00e4tzungen dazu waren nat\u00fcrlich so unterschiedlich wie die Zuschauer:innen selbst. Die Palette der Urteile reichte vom vernichtenden \u201eDas ist \u00fcberhaupt keine Kunst!\u201c \u00fcber das Gest\u00e4ndnis, trotz mancher textlichen Unstimmigkeiten gut unterhalten worden zu sein bis hin zu einer Mischung aus Faszination und Schrecken \u00fcber die Kunstfertigkeit des Dargebotenen. Dass sich selbst Kreativit\u00e4t als die vermeintlich letzte Dom\u00e4ne menschlichen Ausdrucks von Technologien herstellen lie\u00dfe, schien f\u00fcr die meisten eine v\u00f6llig neue Erkenntnis zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dieser Erkenntnis, dass k\u00fcnstliche Intelligenzen tats\u00e4chlich \u2013 wenn auch noch in einem begrenzten Rahmen \u2013 Kunst k\u00f6nnen, gab es allerdings noch eine weitere, die ein Vorhaben aus der Konzeptionsphase best\u00e4tigte: n\u00e4mlich jene, dass dank der Just-in-Time-Produktion des Textes, der im Sprechtheater \u00fcblicherweise als so etwas wie das unhintergehbare Fundament angesehen wird, jede Vorstellung selbst einzigartig wurde. Allen kuratorischen Ma\u00dfnahmen zum Trotz lie\u00dfen die zwei Variablen \u2013 der Variantenreichtum maschinell erzeugter Texte und der Variantenreichtum spontan gew\u00e4hlter menschlicher Darstellungsformen \u2013 jede Vorstellung f\u00fcr alle Beteiligten ein St\u00fcck weit zu einem Original und zu einer Reise ins Ungewisse werden. Die Wogen der digitalen Brandung schlugen \u2013 um hier noch einmal den Aushang des Schwarzen Bretts zu zitieren \u2013 also doch bereits bemerkenswert hoch am \u201eanalogen Felsen\u201c<a href=\"#sdfootnote30sym\" id=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a> empor.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWir fanden es spannend, dass nat\u00fcrlich jetzt die Technologie uns die M\u00f6glichkeit gibt, tats\u00e4chlich jeden Abend einen einzigartigen Abend zu machen, der nicht wiederholbar ist und dieser Form nie wieder passieren wird. Also eigentlich echtes Theater! Mit Menschen!\u201c<a id=\"sdfootnote31anc\" href=\"#sdfootnote31sym\"><sup>31<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich w\u00e4re es f\u00fcr alle Produktionsbeteiligten von <em>Prometheus Unbound<\/em> auch \u00fcber die Ma\u00dfen reizvoll gewesen zu erkunden, was f\u00fcr ein Theaterabend entstehen k\u00f6nnte, wenn neben der partiellen Textgenerierung auch bei der Inszenierung selbst \u2013 also der F\u00fchrung der Darsteller:innen, der Einsatz von Licht- und Tontechnik, wom\u00f6glich sogar bei B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbild und der Dramaturgie \u2013 k\u00fcnstliche Intelligenzen live zum Einsatz k\u00e4men. Wom\u00f6glich der Anlass f\u00fcr eine Neuauflage der Produktion in einigen Jahren \u2013 bei aller Pionierarbeit der CyberR\u00e4uber vielleicht aber auch vorerst einfach wirklich noch reine Zukunftsmusik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><em>Dokumentation: Wiebke Melle<\/em><br><br><br><br><br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>Projektbeschreibung 23.11.2018<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote2anc\" id=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote3anc\" id=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>Projektbeschreibung 23.11.2018<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote4anc\" id=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote5anc\" id=\"sdfootnote5sym\">5<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote6anc\" id=\"sdfootnote6sym\">6<\/a>Konzeptpapier 18.06.2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote7anc\" id=\"sdfootnote7sym\">7<\/a>Die deutsche Brentano-Gesellschaft nahm 2018 das von einem Algorithmus verfasste Gedicht \u201eSonnenblicke auf der Flucht\u201c in ihrem renommierten Jahresband auf. Dieser Algorithmus war vorab von der Wiener Agentur Tunnel23 entwickelt und mit s\u00e4mtlichen Gedichten Schillers und Goethes trainiert worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote8anc\" id=\"sdfootnote8sym\">8<\/a>Die US-Unterhaltungsfirma Botnik Studios hatte 2017 mit dem Text <em>Harry Potter and the Portrait of What Looked Like a Large Pile of Ash<\/em> f\u00fcr Furore gesorgt. Verfasser war ein Algorithmus, der mit s\u00e4mtlichen Harry-Potter-B\u00e4nden trainiert worden war und dann den Befehl erhalten hatte: \u201eSchreibe wie J.K. Rowling.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote9anc\" id=\"sdfootnote9sym\">9<\/a>Bj\u00f6rn Lengers im Interview mit Christian Wobbeler [ab 0:13:15]]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote10anc\" id=\"sdfootnote10sym\">10<\/a>CyberR\u00e4uber-Artikel Potsdam 3.2.2020<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote11anc\" id=\"sdfootnote11sym\">11<\/a>Konzeptpapier 18.06.2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote12anc\" id=\"sdfootnote12sym\">12<\/a>CyberR\u00e4uber-Artikel Potsdam 3.2.2020<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote13anc\" id=\"sdfootnote13sym\">13<\/a>Aischylos: <em>Prometheus, gefesselt<\/em>. \u00dcbertragen von Peter Handke. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1986, S. 7<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote14anc\" id=\"sdfootnote14sym\">14<\/a>Aischylos: <em>Prometheus<\/em>. Deutsch von Heiner M\u00fcller. henschel Theaterverlag, Berlin 1996, S. 5<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote15anc\" id=\"sdfootnote15sym\">15<\/a>p_texte_11112019.pdf<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote16anc\" id=\"sdfootnote16sym\">16<\/a>Bj\u00f6rn Lengers im Interview mit Christian Wobbeler [ab 0:19:00]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote17anc\" id=\"sdfootnote17sym\">17<\/a>Probenfassung Stand: 12.12.2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote18anc\" id=\"sdfootnote18sym\">18<\/a>Thomas K\u00f6nigstorfer: \u201eLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote19anc\" id=\"sdfootnote19sym\">19<\/a>Angela Waidmann: Post in Signal-Gruppe am 14.11.2019, 10.39 Uhr [Screenshot_20200823-155648.png]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote20anc\" id=\"sdfootnote20sym\">20<\/a>Nov20.rtf<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote21anc\" id=\"sdfootnote21sym\">21<\/a>Bj\u00f6rn Lengers im Interview mit Christian Wobbeler [ab 0:29:50]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote22anc\" id=\"sdfootnote22sym\">22<\/a>Ebd. [ab 0:36:00]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote23anc\" id=\"sdfootnote23sym\">23<\/a>Bj\u00f6rn Lengers im Interview mit Christian Wobbeler [ab 0:52:00]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote24anc\" id=\"sdfootnote24sym\">24<\/a>Bei der geplanten Vollendung von Beethovens fragmentarisch gebliebener 10. Symphonie anl\u00e4sslich seines 250. Geburtstags sollte ein Algorithmus zum Einsatz kommen. Der Direktor des Karajan Instituts Mattias R\u00f6der beschrieb etwa: \u201eEr ist wie ein kleines Kind, das die Welt Beethovens erkundet.\u201c (<em>KI vollendet Beethoven<\/em>, FAS)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote25anc\" id=\"sdfootnote25sym\">25<\/a>Dass sich insbesondere Lyrik in ihrer bisweilen enigmatischen Form daf\u00fcr anbietet, um zu zeigen, wie flie\u00dfend mittlerweile die \u00dcberg\u00e4nge zwischen menschlich und k\u00fcnstlich erzeugter Sprache sind, haben etwa der Journalist Oscar Schwartz und der Informatiker Benjamin Laird mit ihrer spielerisch angelegten Seite botpoet.com, einer Art Turing Test f\u00fcr Lyrik, unter Beweis gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote26anc\" id=\"sdfootnote26sym\">26<\/a>Bj\u00f6rn Lengers im Interview mit Christian Wobbeler [ab 0:22:30]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote27anc\" id=\"sdfootnote27sym\">27<\/a>Ebd. [ab 0:23:20]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote28anc\" id=\"sdfootnote28sym\">28<\/a>Bj\u00f6rn Lengers im Interview mit Christian Wobbeler [ab 1:07:50]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote29anc\" id=\"sdfootnote29sym\">29<\/a>Ebd. [ab 0:48:00]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote30anc\" id=\"sdfootnote30sym\">30<\/a>Thomas K\u00f6nigstorfer: \u201eLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote31anc\" id=\"sdfootnote31sym\">31<\/a>Bj\u00f6rn Lengers im Interview mit Christian Wobbeler [ab 0:39:00]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>am Landestheater Linz \u2588 \u201eEs ist nicht genug verlangt, wenn man vom Theater nur Erkenntnisse, aufschlussreiche Abbilder der Wirklichkeit verlangt. Unser Theater muss die Lust am Erkennen erregen, den Spa\u00df an der Ver\u00e4nderung der Wirklichkeit organisieren. Unsere Zuschauer m\u00fcssen nicht nur h\u00f6ren, wie man den gefesselten Prometheus befreit, sondern auch sich in der Lust schulen, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/prometheus\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Prometheus Unbound&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-36","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/36","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/36\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":138,"href":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/36\/revisions\/138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/doppelpass.vtheater.net\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}